Klimawandel und Gesundheit: die Notfallmedizin ist gefordert
Der Klimawandel ist längst im Klinikalltag angekommen – besonders in der Notfallmedizin. Steigende Temperaturen, neue Infektionskrankheiten und Extremwetterereignisse führen zu mehr Patientinnen und Patienten und bringen Notfallzentren an ihre Grenzen. Am Universitätsspital Basel zeigt sich bereits heute, wie die klimatischen Veränderungen den Arbeitsalltag prägen und wie sich das Notfallzentrum auf eine Klimazukunft vorbereitet, die immer häufiger medizinische Höchstleistungen verlangt.
An sehr heissen Tagen im Sommer – sogenannten Hitzetagen – herrscht im Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel Hochbetrieb. Eleni Ress, Fachleiterin Pflege am Notfallzentrum, erinnert sich an die letzten beiden Sommer:
«Insbesondere bei Laufveranstaltungen wie dem Drei-Länder-Lauf oder dem Birslauf mussten mehrere Personen unterschiedlichen Alters eingeliefert werden. Die hohe Hitze kombiniert mit körperlicher Anstrengung führte zu Stürzen, Bewusstlosigkeit sowie akuten Verwirrtheitszuständen.»
Eleni Ress, Fachleiterin Pflege am Notfallzentrum
Auch infolge von Partys im Freien wie «Beats on the Streets», beobachtete sie häufigere Einweisungen ins Notfallzentrum: Dort kam Hitze mit Alkohol- und Drogenkonsum zusammen.
Während die Kombination von hohen Temperaturen mit intensivem Sport oder Rauschmitteln auch für gesunde Menschen gefährlich werden kann, leiden vulnerable Personen oft besonders nur schon unter Hitze. Dazu zählen ältere Menschen, Kinder, schwangere Frauen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Eleni Ress blieb eine ältere Frau in Erinnerung, welche aufgrund eines Hitzschlags auf der Strasse gestürzt war. Sie suchte draussen vergeblich Abkühlung – in ihrer Wohnung sei es viel zu warm gewesen.
Der Klimawandel als Gesundheitsbedrohung
Das USB-Notfallzentrum ist mit seinen Erfahrungen nicht allein. Notaufnahmen verzeichnen während Hitzeperioden vermehrt Personen mit Hitzschlag, Dehydration, Herzinfarkten sowie Nierenschäden. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkniederschläge oder Stürme können zu akuten Verletzungen, Traumata und Schadstoffexposition führen, die sofortiges medizinisches Eingreifen erfordern. Zusätzlich steigen Zahl und Vielfältigkeit von Infektionen, die in der Notfallmedizin abgeklärt und behandelt werden müssen.
Mit dem Klimawandel nehmen die Temperaturen weiter zu und Extremwetterereignisse werden häufiger und intensiver. Die ohnehin bereits belasteten Notfallkapazitäten stossen damit zunehmend an ihre Grenzen.
So wappnet sich das USB-Notfallteam gegen den Klimawandel
Am Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel sind diese Herausforderungen bekannt. Deshalb wurden bereits verschiedene Massnahmen umgesetzt, welche die Abteilung auf den Klimawandel vorbereiten.
So fand im Frühling 2025 ein Themenmonat zu Globaler Gesundheit und Klimawandel statt, um das Pflegepersonal des Notfallzentrums für diese Themen zu sensibilisieren:
«In der Notfallmedizin sehen wir oft als Erste, wie Umweltveränderungen die Gesundheit beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, diese Zusammenhänge früh zu verstehen und darauf zu reagieren. So können wir die Notfallversorgung auch in Zukunft sicher und nachhaltig gestalten.»
Um sich für Hitzeperioden zu wappnen, wurde einerseits die Ausstattung des Notfallzentrums angepasst. So stehen zusätzliche Ventilatoren und mehr Hilfsmaterial für besonders heisse Tage zur Verfügung. Andererseits richten die medizinischen Fachpersonen ihre Arbeit an notfallspezifischen medizinischen Standards zu hitzebedingten Erkrankungen aus.
Am USB-Notfallzentrum mangelt es auch nicht an Ideen für die Zukunft. So ist das Ziel, medizinische Probleme, welche mit dem Klimawandel zusammenhängen, früher zu erkennen. Dafür sollen mehr Schulungen stattfinden, welche die Klimakompetenz der Mitarbeitenden fördern. Extremwetterereignisse können mithilfe einer angepassten Lagerhaltung, beispielsweise von Infusionen und Kühlmaterial, gemeistert werden. Bei Entlassungen während Hitzeperioden soll noch mehr berücksichtigt werden, wie die betroffenen Patientinnen und Patienten wohnen, welche Kühlmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen und in welches soziale Umfeld sie eingebettet sind.
Gemeinsam fürs Klima
Auf der anderen Seite ist sich die USB-Notfallmedizin bewusst, dass auch sie zum Klimawandel beiträgt. Ziel ist, weniger Energie und Material zu verbrauchen. Auch die Entsorgung ist ein Thema – die Recyclingquote soll laufend erhöht werden. So werden leere Kunststoffbehälter mithilfe separater Entsorgungssäcke gesammelt, die danach dem Schweizer Verein KEIS fürs Recycling übergeben werden.
Schliesslich erkannte man im Notfallzentrum, dass Klimaschutz bereits bei medizinischen Entscheidungen beginnt: Jede Untersuchung, jede Therapie und jedes Medikament benötigen Energie und Rohstoffe. Das Notfallzentrum ist deshalb bestrebt, medizinische Massnahmen sorgsam einzusetzen, ohne Abstriche in der Behandlungsqualität zu machen. Dies kann die Patientenschaft zudem vor potenziellen Schäden einer Überversorgung schützen und die Mitarbeitenden entlasten.
Nicolas Frei, Oberarzt im Notfallzentrum, hebt hervor, wie wichtig die disziplin- und berufsübergreifende Arbeit im Notfallzentrum sei und sieht Parallelen beim Klimawandel:
«Nur gemeinsam im Team können wir den Folgen des Klimawandels begegnen und dessen Fortschreiten vermeiden.»
Hierfür, so betont Frei, zähle das Engagement jeder einzelnen Person.