Wenn Patientinnen & Patienten plötzlich verwirrt sind
Am Universitätsspital Basel (USB) gibt es ein strukturiertes Programm, um Delirien früh zu erkennen, zu verhindern und gezielt zu behandeln. Dieses Vorgehen wurde 2025 im Rahmen eines nationalen Audits als vorbildlich beurteilt.
Ein Delir kann während eines Spitalaufenthalts auftreten, besonders bei älteren oder schwer kranken Menschen. Betroffene wirken plötzlich verwirrt, sind desorientiert oder verhalten sich ungewohnt. Für Angehörige ist das oft belastend.
Kevin Seiler, Programmleiter Delirmanagement, erklärt, woran ein Delir erkannt wird, was Betroffenen hilft und wie auch Angehörige unterstützen können.
Dr. med. Werner Kübler, Hospital Director
Kevin Seiler, was ist ein Delir – und warum ist das Thema so wichtig?
Ein Delir ist eine akute Verwirrtheit. Das kann während eines Spitalaufenthalts passieren. Betroffene sind plötzlich desorientiert oder wirken ganz anders als sonst. Für Angehörige ist das oft sehr belastend. Und es kann auch die Behandlung erschweren.
Was möchten Sie mit dem Delirmanagement erreichen?
Wir wollen Delirien möglichst verhindern. Und wenn sie auftreten, möglichst früh erkennen. So können wir schneller reagieren und Komplikationen vermeiden.
Wie merken Sie, dass jemand ein Delir entwickelt?
Wir beobachten unsere Patientinnen und Patienten regelmässig: vor allem ältere Menschen oder solche, die schwer krank sind. Wenn sich etwas verändert, schauen wir genauer hin. Wichtig ist: Wir warten nicht, bis es ausgeprägt ist, sondern reagieren früh.
Was passiert konkret, wenn ein Delir festgestellt wird?
Wenn ein Delir festgestellt wird, suchen und behandeln wir sofort die Ursache und versuchen gleichzeitig, dem Patienten mit einer ruhigen und vertrauten Umgebung Sicherheit und Orientierung zu geben. Oft helfen ganz einfache Dinge. Zum Beispiel eine ruhige Umgebung oder Orientierungshilfen wie eine Uhr, eine Brille oder ein Hörgerät. Das kann viel ausmachen.
Warum braucht es für das Delirmanagement ein ganzes Team?
Weil jeder eine andere Perspektive einbringt. Darum arbeiten Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte und weitere Fachbereiche hier eng zusammen. Und wir haben speziell geschulte Fachpersonen, die die Teams auf den Abteilungen unterstützen. So stellen wir sicher, dass Patientinnen und Patienten möglichst früh die richtige Unterstützung bekommen.
Welche Rolle spielen Angehörige?
Eine sehr wichtige. Angehörige kennen die Person am besten. Sie merken oft als Erste, wenn sich etwas verändert. Und sie können helfen, Orientierung zu geben. Uns ist wichtig, dass wir sie gut begleiten und informieren, weil die Situation oft auch für sie schwierig ist.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Programm gemacht?
Wir sehen, dass Delirien seltener auftreten und oft weniger schwer verlaufen. Und wenn wir früh handeln, stabilisieren sich viele Patientinnen und Patienten schneller. Das zeigt uns: Das Vorgehen wirkt.
Das Programm wurde 2025 als vorbildlich beurteilt. Was bedeutet das für Sie und Ihr Team?
Natürlich freut uns das. Aber entscheidend ist für uns, dass das Delirmanagement im Alltag funktioniert und unseren Patientinnen und Patienten konkret hilft.